
6.2.2026 Lichthof Theater Hamburg
Beteiligte: Konzept, Regie: Ruby Rawson / Dramaturgie: Anna Schill / Performance: Juli Bökamp, Maret Zeino-Mahmalat, Bendix / Performance und Sound: Marcel Jaqueline Gisdol, Julian Moritz / Bühne: Hansi Wimmer / Kostüm: Sofia Falsone / Technik: Ariana Battaglia
OBSCENE ist eine queerfeministische crip Interpretation des letzten Live-Sex-Theaters Deutschlands, des Salambo (1979–1990).
Die moderierte Show eröffnet mit einer funkelnden Chanson-Nummer voller Humor, Poesie und Erotik, die einen intimen Raum für queeren Sex schafft. Vom Monolog eines sexsüchtigen Kindes über eine Squirting-Nummer nach der Aufklärungsstunde im Klassenzimmer der masochistischen Lehrerin bis hin zum Reenactment der Hamburger lesbischen BDSM-Ikone Krista Beinstein endet der Abend in einer Orgie – in der Utopie und Sehnsucht nach unserem eigenen queeren Sex-Theater.
OBSCENE fordert die Prüderie heraus, indem es sich zwischen Kunst und Pornografie bewegt und die Grenzen der Genres austestet. Gleichzeitig schafft die Inszenierung Sichtbarkeit für queere Körper, deren Begehren und Lust, und verbindet diese mit Sexeducation. In einer Zeit, in der Pornografie rund um die Uhr verfügbar ist, eröffnet OBSCENE einen Raum, in dem Sex offen, kritisch und empowernd verhandelt und gezeigt wird. Das Stück ist ein unterhaltsamer Varieté-Abend zwischen erotischem Sprechtheater und queerer Sexshow.
Recherche und Stückentwicklung
In der Stückentwicklung folgten wir den Spuren des Salambo und arbeiteten u. a. mit der Historikerin Eva Decker sowie dem Fotoarchiv von Günter Zint. Recherchen führten uns ins Erotik Art Museum und zur Monika Bar auf der Großen Freiheit, wo wir Gespräche mit Zeitzeug*innen führten. Zur queeren BDSM-Szene Hamburgs, die parallel in unmittelbarer Nähe des Salambo stattfand, arbeiteten wir mit Krista Beinstein, für den aktuellen Kontext mit Sexwork-Aktivistin und Autorin Ruby Rebelde.
Intimacy- und Safety-Protokolle
Körper, Lust und Begehren sind zentrale Elemente des Theaters, stehen jedoch immer im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen wie Sexismus, Heteropatriarchat und Rassismus. Ein großer Teil unserer künstlerischen Recherche lag darin zu untersuchen, wie Intimität und Begehren auf der Bühne und im Proberaum machtkritisch und professionell verhandelt und selbstbestimmt eingesetzt werden können. Wir haben Sex dabei als künstlerische Praxis verstanden, die klare Rahmenbedingungen, präzise Sprache und sensible Probenprozesse erfordert. Dafür haben wir Intimacy- und Safety-Protokolle entwickelt, angelehnt an die Intimacy Coordination Praxis im Film und für die Proben angepasst.- Danke an Lea Bethke!
PRESSE:
https://taz.de/Regisseurin-ueber-Live-Sex-Theater/!6148677/



Credits Fotos @Hansi Wimmer / Poster @Anna Schill